Milchkuh

Aufzucht und Haltung von der Milchkuh

 

Die Milchkuh ist aus der Sicht der heutigen Konsumgesellschaft als Fleisch-, Milch- und Lederlieferant nicht mehr wegzudenken. Da die Preise durch die starke Konkurrenz aber stark gedrückt werden, müssen Landwirte richtig kalkulieren und die Aufzucht und Haltung der Kühe möglichst effizient, aber dennoch tiergerecht bewerkstelligen.

Biologie der Milchkuh bzw. Rinder

Da Rinder trotz eines jahrtausendlangem Anpassungsprozesses an die Umwelt des Menschen nach wie vor das gesamte Verhaltensrepertoire ihrer wilden Vorfahren besitzen, ist besonders darauf zu achten, dass die Tiere nicht überfordert und ihr arteigenes Verhalten gewährleistet wird. Schlechte Haltungsbedingungen können zu Verhaltensstörungen, körperlichen Schäden und Krankheiten führen.

Rinderhaltung, MilchkuhKälberaufzucht

Probleme in der Haltung von Kälbern bestehen beim Finden des richtigen Absetzzeitpunktes und später im Kälberstall durch ungewünschte Verhaltensweisen, wie gegenseitiges Besaugen. Das Kalb ist die ersten zwei Wochen ausschließlich auf Milch angewiesen. Bei der Haltung mit der Mutterkuh würden die 8 bis 10 Saugvorgänge pro Tag etwa 60 bis 70 Minuten dauern. Diese nehmen mit zunehmendem Alter ab und mit etwa 6 Lebensmonaten sind es schlussendlich nur mehr 3 Saugvorgänge mit je 15 Minuten. Bereits ab der 2. Lebenswoche nimmt das Kalb etwas Wasser und Grünfutter zu sich. Ab der 4. Lebenswoche würde es regelmäßig grasen. Der natürliche Absetzzeitpunkt wäre erst mit einem Alter von 8 bis 12 Monaten erreicht.
Das Kalb wird von der Kuh aber meistens bereits gleich nach der Geburt oder nach einigen Stunden abgesetzt. Wenn der Saugtrieb aufgrund zu kurzer Tränkezeiten nicht befriedigt wird, entsteht eine Verhaltensstörung, welche sich in gegenseitigem Besaugen an Nabel, Ohren, Maul und anderen Körperstellen äußert. Diese Verhaltensstörung tritt bei etwa 10 bis 15% der Aufzuchtrinder auf, dabei ist Fleckvieh häufiger betroffen. Eine einfache Maßnahme dagegen kann eine Erhöhung des Saugwiderstandes durch eine kleinere Öffnung des Saugnuckels sein, eine Erhöhung der Häufigkeit der Milchfütterung, das Einsperren des Kalbes nach dem Tränken für eine Dauer von 15 Minuten, aber auch der Kälberstall kann verbessert werden. Die Gruppenhaltung von Kälbern ist empfehlenswert, da sie so dabei spielerisch wichtige Verhaltensmuster für das spätere Leben erlernen und dabei hat es noch eine erzieherische, beschäftigende und energieentladende Funktion. Eine Außenhaltung bzw. eine Offenfront bietet den Kälbern optimale Umweltbedingungen, um gesund zu wachsen. Es herrschen somit ein geringerer Keimdruck, geringerer Fliegenbefall und bessere Luftverhältnisse im Kälberstall, was zu geringeren Verlusten führt. Raufutter und anderes Beschäftigungsmaterial tragen ebenso zur gesunden Kälberaufzucht bei.

Rinderhaltung, MilchkuhHaltung von Mast- und Jungvieh

Bei der Haltung von Mast- und Jungvieh kann zwischen Einstreu- und Vollspaltenboden einerseits und Boxenlaufstall und Tief-/Tretmiststall gewählt werden. Vorteile von einer Haltung auf Einstreu sind geringere Baukosten und eine bessere Gesundheit, da bei ausschließlicher Haltung auf Spaltenboden Klauen- und Schwanzverletzungen häufiger auftreten. Auch entspricht Vollspaltenboden nicht den Bedürfnissen der Tiere als Liegefläche.
Sowohl der Liegeboxenlaufstall, als auch der Tretmiststall sind Freilaufställe. Der Tretmiststall ist eine große, unstrukturierte, meist geneigte Fläche, wobei die Kühe den Mist selbst in Richtung eines Spaltengitters runter treten. Diese Haltungsform wird meistens bei Masttieren angewendet. Für Milchviehbetriebe ist der Boxenlaufstall die typische Haltungsform. Dieser hat meist 3 Bereiche. Eine Bewegungsfläche, welche die Gänge darstellen, Fressbereiche mit Fressgitter, wo die Kühe gegebenenfalls fixiert werden können und Liegebereiche, welche aus Liegeboxen bestehen.

Vorteilhaft an Mehrraumbuchten ist, dass der Fress- und Liegebereich klar getrennt ist und die Tiere im Liegebereich mehr Ruhe haben. Obwohl das Liegeplatzangebot mit den Liegeboxen geringer ist, bieten diese für die Tiere eine gute Rückzugsmöglichkeit vor Auseinandersetzungen. In den Boxen wird das Liegeverhalten durch Nacken- und Stirnriegel gesteuert. Bei diesen ist auf die richtige Einstellung zu achten, ansonsten besteht Verletzungsgefahr. Gerade bei Jungvieh muss auf eine richtige Einstellung geachtet werden. Wenn Liegeboxen für einen Teil der Gruppe zu klein bzw. zu groß sind, bedeutet diese zusätzlich eine Verschmutzung der Boxen/Tiere, da das System nicht voll funktioniert. Der Vorteil der Liegeboxenställe liegt dagegen wiederum im geringeren Platzbedarf. Außerdem ist weniger Stroh nötig, da der Fressbereich planbefestigt oder Spaltenboden ist, was zu einer Arbeitszeitersparnis führt. Durch die teils harte Bodenstruktur haben die Tiere auch einen besseren Klauenabrieb und es besteht keine Gefahr der Versumpfung. Nachteilig an Mehrraumbuchen ist, dass sie einen höheren Bauaufwand verlangen und diese schwerer in alten Stallgebäuden einbauen lassen. Ein weiterer Nachteil ist, dass die Gruppeneinteilung nicht so flexibel ist. Um Rangordnungskämpfe zu minimieren, sollten die Gruppen möglichst früh gebildet und die Gruppenkonstellation beibehalten werden. Ist für die erwachsenen Tiere ebenfalls eine Haltung in Boxenlaufställen geplant, sollten zur Angewöhnung auch gleich die heranwachsenden Kühe so gehalten werden.
Von einer Anbindehaltung sollte bei Jungvieh abgesehen werden, da die Standplatzabmessungen nicht den Anforderungen der heranwachsenden Tiere entsprechen.

Kalb, kuh, Rinderhaltung, MilchkuhHaltung von Milchkühen

Die herkömmlichen Stallsysteme für Milchvieh sind der Anbinde- und Laufstall. Wobei die Vorteile des Anbindestalles eine individuelle, kontrollierte Fütterung des Einzeltieres und die hohe Platzersparnis sind, hat diese Haltungsform auch einige Nachteile. Durch die geringere Bewegungsfreiheit kommt es zu einer schlechteren Gesundheit der Tiere. Die Kuh hat eine massive Einschränkung ihres Verhaltensrepertoires und da keine Trennung der Funktionsbereiche vorhanden ist, ist der Standplatz nicht an die Bedürfnisse Liegen bzw. Fressen des Tieres angepasst. Der Landwirt ist durch den aufwändigeren Melkvorgang einer starken körperlichen Belastung ausgesetzt. Auch bedeuten die Entmistung und die Fütterung einen hohen Arbeitsaufwand. Ein Kuhtrainer ist nicht tiergerecht, denn nicht alle Berührungen desselben müssen mit Kot- und/oder Harnabsatz zusammenhängen. Eine Anbindehaltung sollte nur in Verbindung mit täglichen Auslauf in Betracht gezogen werden und die Anbindevorrichtung sowie Bügel auf das individuelle Tier angepasst werden.
Grundsätzlich ist ein Boxenlaufstall die beste Wahl der Haltungsform für Milchkühe. Die Haltung in einem Laufstall bedeutet für die Tiere eine größere Bewegungsfreiheit, welche sich positiv auf die Gesundheit auswirkt. Die getrennten Funktionsbereiche erlauben die Auslebung des natürlichen Verhaltensrepertoires der Rinder. Das Brunstverhalten der Tiere kann ebenfalls besser erkannt werden. Durch die Aufteilung der Funktionsbereiche können Arbeitsabläufe gut mechanisiert werden und eine enorme Arbeitserleichterung bringen. Das sind beispielsweise ein eigens eingerichteter Melkstand oder Entmistungssysteme.
Nachteile der Laufstallhaltung sind eine schlechtere Einzeltieridentifikation und eine individuelle, leistungsgerechte Grundfuttergabe für die Einzeltiere.

Rinderhaltung, MilchkuhEmpfehlungen Boxenlaufstall für Milchkühe!

Die Liegeboxen können als Strohmistmatratze angelegt werden. Die Gänge, die als Auslauf genutzt werden, sollten grundsätzlich mindestens zwei Zugänge besitzen und nie tote Enden besitzen. Im Falle baulicher Einschränkungen sollte eine Mindestbreite von 4 Metern zum Ausweichen beachtet werden. Eine Überbelegung sollte vermieden werden, Fressplätze und Liegeboxen in ausreichender Anzahl vorhanden sein. Angebrachte Bürsten steigern nochmals das Wohlbefinden. Abkalbe- und Krankenboxen sind empfehlenswert.

Fazit!

Abschließend kann gesagt werden, dass die Haltung der Milchkuh tiergerecht und trotzdem wirtschaftlich geführt werden kann, wenn die Haltungssysteme optimiert werden. Gut gestaltete Kälberiglus und Liegeboxenställe für die heran- und ausgewachsene Milchkuh können den Arbeitsalltag des Landwirtes enorm erleichtern und das Leben der Milchkühe bereichern – damit ist Mensch und Tier geholfen.